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Philosophie

Hunde haben immer nur zwei Möglichkeiten, sich zu verhalten: Sie machen etwas richtig oder sie machen etwas falsch. Nun kann ich warten, bis der Hund sich falsch verhält und ihn dafür korrigieren, oder ich nehme den Moment, in dem er sich (noch) gut verhält und verstärke dieses Verhalten.

Wenn ich das tue, passieren gleich mehrere tolle Dinge:

  • mein Hund arbeitet gerne mit mir zusammen, da er weiß, mit mir zu lernen macht Spaß
  • mein Hund orientiert sich mehr an mir, weil er merkt, ich helfe ihm
  • ich habe bessere Laune, weil ich mich auf die guten Momente unseres Zusammenlebens konzentriere

Denn gutes Training ist auch Sache der inneren Einstellung. Zufrieden sein übrigens auch. Ich kann vom Spaziergang kommen und mich aufregen, weil Hundchen heute den ganzen Spaziergang gezogen hat. Ich kann aber auch heimkommen und sagen „Hundchen hat heute den ganzen Spaziergang gezogen, das möchten wir noch besser machen. Aber dafür hat er sich heute schon X Mal zu mir umgedreht, hat sich gegen den Hasen und für mich entscheiden und die Walker schon angekündigt, bevor ich sie sah.“ Wenn ich mich auf die Erfolge unseres Trainings konzentriere, habe ich mehr Spaß daran, an den schwierigeren Themen zu arbeiten. Und dem Hundetier geht es genauso.

Ich möchte meinen Hund bedürfnisorientiert motivieren, er soll Lust darauf haben, mit mir zu arbeiten. Aber Achtung: Bitte nicht Bestechung und Belohnung verwechseln! Und Belohnungen sind viel mehr, als nur Spielen oder Futter. Statt also zu strafen, erkläre ich meinem Hund die Menschenregeln, die in meiner Familie wichtig sind. Und jede Familie, jede Mensch-Hund-Beziehung hat da andere Anforderungen. Ich werde dem Hund diese Regeln logisch beibringen und deren Einhaltung lohnenswert machen, statt das „Übertreten“ zu sanktionieren. Und dafür brauchen wir wohlwollendes Verständnis.

Wir brauchen Neugierde gegenüber unserem neuen vierbeinigen Mitbewohner, Wissen über seine Sprache und wie er lernt. Wir brauchen Achtsamkeit gegenüber seinen Bedürfnissen. Wer da ein gutes Bauchgefühl hat – prima. Und der Rest? Ist erlernbar. Wir konzentrieren uns also auf tolles Verhalten, zeigen dem Hund, was wir von ihm erwarten, und setzen liebevoll Grenzen. Dabei geben wir dem Hund, der sich schließlich nicht ausgesucht hat, wie er in Zukunft lebt, Zeit in seine neue Rolle hineinzuwachsen. Wir helfen ihm durch schwierige Situationen und schaffen so gegenseitiges Vertrauen. Wir möchten einen Hund, der so entspannt ist, dass er sich von selbst unter den Tisch legt und schläft und nicht erst mittels „Platz-Bleib“ dort geparkt werden muss. Wir möchten Entspannung bei Mensch und Hund. Harmonie. Wir schaffen Lernsituationen, die für den Hund gut bewältigbar sind und hangeln uns so von Erfolg zu Erfolg – ein tolles Gefühl. Wir arbeiten über gegenseitigen Respekt, so dürfen Mensch und Hund auch mal einen „schlechten Tag“ haben, ohne dass das direkt persönlich genommen wird.

Dafür kreisen uns einige Fragezeichen im Kopf herum:

  • Wie soll die Beziehung zwischen meinem Hund und mir aussehen?
  • Wer gehört alles zu unserem „Team“?
  • Welche Regeln gelten für unser Zusammenleben?
  • Was darf mein Hund?
  • Was darf er keinesfalls?
  • Wer braucht Training?
  • Welches Verhalten wünsche ich mir von meinem Hund?
  • Wie helfe ich ihm, sich richtig zu verhalten?
  • Welches Verhalten meines Hundes möchte ich nicht? Was kann er stattdessen tun?
  • Wie soll mein Hund um Hilfe bitten?
  • Welche Emotionen liegen dem Verhalten zu Grunde?
  • Wie kann ich meine Nerven behalten?

Diese Liste ließe sich noch ewig weiter führen…

Klingt kompliziert?! Ist es auch. Anfangs. Aber das Schöne ist, das alles ergibt sich nach und nach aus dem Zusammenleben mit Hund. Wie bei jeder neuen Beziehung, jedem neuen Freund und Familienmitglied. Und nach dieser spannenden, oft aufreibenden Kennenlernzeit kommt die Zeit der Gegenseitigkeit. Man kennt sich, vertraut sich und verlässt sich aufeinander. Und bis dahin lernen wir miteinander füreinander.

Wenn einer nur darf,
wenn er soll
aber nie kann,
wenn er will,
dann mag er auch nicht,
wenn er muß.

Wenn er aber darf,
wenn er will,
dann mag er auch,
wenn er soll,
und dann kann er auch,
wenn er muß.

Daraus folgt:
Diejenigen, die können sollen,
müssen wollen dürfen!

Dieses Zitat begegnete mir in der Menschenpädagogik. 2010 übernahm ich es auf meine Homepage – und es wird wohl noch einige Jahrzehnte hier stehen. Der Autor ist leider unbekannt.