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Fragezeichen – Weswegen Fragezeichen?

Wow. 15 Jahre dogs´choice. 15 Jahre Hundetraining. Zeit, eine Bilanz zu ziehen…

Als ich 2005 meine Hundeschule eröffnete, war das ein recht unbekannter Berufszweig. Wenn überhaupt, besuchte man einen Hundeplatz, um „Sitz, Platz, Bleib etc.“ zu lernen. Es hatten bei Weitem noch nicht so viele Hunde in Familien Einzug gehalten, wie es heute der Fall ist. Vereinzelt kannte man Familien, die ihren Hund „abgeben mussten“, weil er so „damisch“, also nicht zum Leben passend war. Von Einschläfern war die Rede, wenn ein Hund gebissen hatte. Und auf einmal, angeregt durch einen Hundetrainer im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, wurde den Menschen bewusst, dass man „da was machen kann“ und dass es scheinbar öfters Hunde gibt, die sich daneben benehmen.

Ich wollte dabei helfen. Und während ich von 2005 bis 2008 auf der „Dominanz“ und „Rudel“welle mitschwamm, sammelte ich Erfahrungen. Da gab es Hunde, die „eine harte Hand“ brauchten, die sich „auflehnten“, die so „dominant“ waren, dass nur massiver Druck zu helfen schien. Aber Hunde sind untereinander ja auch nicht zimperlich, nicht wahr?! Und es gab immer wieder Hundehalter, die „zu schwach“ für ihren dominanten Hund waren. Die weinten, vor lauter Verzweiflung ihrem Hund nicht „gerecht“ werden zu können. Hundehalter, die eben nicht runterdrücken, reglementieren und vom Sofa verweisen wollten.

2008, nach drei Jahren des „Chefseins“ und einer Menge „kurierter“ Hunde, geriet ich an einen Hund, der auf diese Methoden nicht ansprang. Im Trainerkreis war klar, „solche Hunde“ haben einen Gehirntumor, da machst du nix mehr… Da das aber mein Hund war, den ich über alles liebte, ging die Suche los.

Eine organische Ursache wurde erst 500 Kilometer entfernt, von einer verhaltensbiologisch arbeitenden Tierärztin, gefunden. Und ich begann mich mit Biochemie, Hormonen und deren Auswirkungen auf das Lernverhalten und -vermögen unserer Hunde zu beschäftigen. Langsam dämmerte es mir, dass die Hunde, die nicht wollten, in Wirklichkeit nicht konnten. Ich lernte, wann und wie stark Stress das Denken blockiert – völlig logisch, kennt man ja auch beim Menschen. Dann lernte ich Stress beim Hund zu erkennen. Und geriet erneut ins Straucheln. Hatte ich bisher das Gefühl „Was soll denn der Hund schon Stress haben?!“ erkannte ich nun, wann immer es einem Hund nicht gut ging. Ein schrecklicher Zustand!

Wie konnte ich ahnen, dass der unter dem Restaurant-Tisch liegende Hund Stress hat? Schließlich ist er doch bei seinem Herrn. Bei seinem Chef, statt alleine daheim!
Und so stieg ich noch tiefer ins Thema ein. Hundliche Emotionen. Aha. Wie gehen Hunde in freiwillig (!) gebildeten Hundegruppen miteinander um. Individuelle Vorlieben und Abneigungen und rassetypische Eigenschaften.

Klaro. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen von der Schnelllebigkeit überfordert sind, sollen Hunde einfach zurecht kommen?! Also war klar: Fortbildungen in diese Richtung mussten her. Und je mehr Ideen ich bekam, über Motivation statt Druck zu arbeiten, je mehr ich half, statt zu zwingen, desto besser wurde es mit dem „Eben-KEIN-Gehirntumor“-Hund.

Und von diesem Zeitpunkt an ging die Änderung durch mein Training, die bis heute zu finden ist.

Neugierig und mit diesem „neuen“, wissenschaftlich basierten Tierumgang im Kopf änderte sich einiges. Mit zunehmend mehr Trainingsideen und -erfahrung in Richtung Erklären statt Strafen begann ich mein Hauptaugenmerk auf „schwierige Hunde“ zu legen. Also die Hunde, bei denen „normales“ und immer noch überall zu findendes Training nicht klappt.

Und weil es zwei Paar Stiefel sind, ob man einmal in der Woche für 45 Minuten mit einem Hund arbeitet, oder ob man 24 Stunden täglich mit „verhaltensoriginellen“ Hunden lebt, holte ich diese auch zu mir nach Hause.
Erfahrungen sammeln. Wissen anwenden. Lernen. Verzweifeln. In alte Muster fallen. Weinen. Nachdenken. Verstehen und Erfolg haben. Feiern. Und meinen Weg finden. Denn neben einem schwierigen Hund gibt es immer auch einen Menschen, dessen Geduld und Kraft endlich ist.

Bei mir lebt seitdem eigentlich immer mindestens ein „Kracher“, der auf die normale Welt vorbereitet wird, bevor er wieder auszieht. Und so entstand meine Spezialisierung auf Hibbelhunde, Aggrotölen und Angsthasen.
Und was bei denen funktioniert, kann doch dem „normalen“ Familienhund nicht schaden?!

Und zum 15. Jubiläum dachte ich mir, gönne ich mir doch einen neuen Namen! Denn dogs´choice war super. Aber ich bin erfahrener und ruhiger geworden. Das Training hat sich deutlich verändert. Wir sind erwachsen geworden und nehmen uns selbst nicht mehr so ernst – wir sind dem Namen entwachsen. Und was bleibt, ist Liebe zum Tier, wohlwollende Neugierde und ständiger Wissensdurst. Viel genaues Beobachten und Erziehung über Beziehung.

dogs´choice goes Fragezeichen

Mehr dazu, wie wir arbeiten, erfährst du hier.